freigehaltener Raum

Diese Veranstaltung wurde von der Pikler-Lóczy Gesellschaft Ungarn und dem Pikler®Verband Europa organisiert und vom 7 in Budapest unter folgendem Thema durchgeführt:

Pädagogische Aspekte in der Betreuung von kleinen Kindern in der Krippe

Seit 2010 organisiert der Pikler®Verband Europa jährlich ein Forum für die ausgebildeten Pikler®Pädagogen und diejenigen die noch in die Ausbildung sind, mit meistens durchschnittlich 50 Teilnehmern. Dieses Mal fand das Forum in Budapest statt, und es wurden auch die Freunde der Pikler-Lóczy Gesellschaft Ungarn eingeladen. Für die Organisatoren war es eine erfreuliche Überraschung, dass sich mehr als 150 Interessierte aus Ungarn anmeldeten! Mit den deutsch-sprachigen haben insgesamt 200 TeilnehmerInnen im schönen Auditorium von der International Business School, Budapest teilgenommen!


Erster Tag, 7. November 2014

Anna Tardos begrüsste die TeilnehmerInnen herzlich im Namen der Pikler-Lóczy Gesellschaft Ungarn. Dabei stellte sie die Konvention der Pikler-Lóczy-Gesellschaft Ungarn für die Rechte der Kinder in Krippen vor. (PDF zum anklicken) Dieses Papier wurde von der ungarisch-deutschsprachigen Pikler-Krippen-Arbeitsgemeinschaft verfasst und zum allerersten Mal anlässlich dieses Pikler-Krippen-Forum 2014 in Budapest veröffentlicht.

Im Namen des Pikler®Verbandes Europa begrüsste Hedie Meyling von der Emmi Pikler Stiftung Niederlande, die Teilnehmer nochmals. Sie sprach über die Gründung des Pikler®Verband Europas, einer Gruppe von Fachleuten aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Ungarn und der Schweiz, die in verschiedenen Bereichen mit kleinen Kindern tätig sind. Die wachsende Nachfrage nach Weiterbildungsangebote nach Emmi Pikler – sowohl von Seiten der Eltern als auch von Fachleuten – bestärkte den Pikler®Verband Europa darin, ein qualifiziertes Ausbildungskonzept anzubieten. Der Verband entwickelte eine 3-jährige Ausbildung zur Pikler®Pädagogin. Seit 5 Jahren wird diese in den oben genannten Mitgliedsländern durchgeführt. Bis jetzt haben 47 Pikler®Grundkurse mit mehr als 700 Studenten angefangen.

Weiter ging das Forum mit diversen Vorträgen:

 

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Wie kann man eine ruhige Spieltätigkeit in altersgemischten Gruppen ermöglichen?

von Brigitte Husinga und Christiane Pfitzenmaier Leiterinnen der Krippe Wiegestube am Hof in Frankfurt, Deutschland.

An Hand von wunderbar klaren Filmszenen erklärte Brigitte Husinga, wie in einer altersgemischte Gruppe, durch einen klaren Tagesablauf und/oder durch Raumteilung während verschiedenen Momenten des Tages die grösseren von den kleinere Kindern getrennt werden können. Das ermöglicht, dass die verschiedenen Altersgruppen einander nicht stören und viele Momente am Tag finden, vertieft zu spielen.

Aus vier Filmszenen lernten wir, wie die jüngeren Kinder manchmal „gefangene“ Zuschauer sind von dem was die Grössen unternehmen. Und sobald sie im eigenen geschützteren Spielbereich waren oder die Gruppe getrennt wurde indem die Grossen ausserhalb spielten, die kleineren Kinder aus eigener Initiative ins aktive Tun kamen.

z.B. ein Mädchen (+12 Monate) das erst von einer sichere Nische aus drei andere Kindern um 3 Jahre beobachte und zum Teil nachahmte. Erst später, ohne die Ältere Kindern, ging das Mädchen seinen inneren Bedürfnissen nach und eroberte ca. 15 Minuten konzentriert eine Stufe, ging auf und ab und wurde im Laufe dabei immer geschickter.

Ruhige Spieltätigkeit in altersgemischten Gruppe ist also möglich, es fragt aber nach klaren Strukturen im Raum und im Tagesablauf, was flexibel eingestellte Erzieherinnen erfordert.

 

 

Schwierige Momente in der Krippe – für das Kind oder den Erwachsene?

von Jutka Kelemen, Gruppenleiterin einer der drei Gruppen der Pikler Krippe, Budapest

Mutig zeigte Jutka Kelemen nicht nur harmonische „Pikler-Momente“, sondern wie sie und ihre Kolleginnen während des Krippen-Alltages manchmal mit überraschend, schweren Situationen fertig werden müssen. Welche Überlegungen und Abwägungen die Erzieherin in solchen Moment oft machen muss, damit alle darin gut leben können.

Zum Beispiel: Wie gehen wir mit Konflikt-Situationen zwischen Kindern um? Wie versuchen wir die Kinder zu verstehen? Jutka: „Was hinter dem Verhalten eines Kindes liegt hat zum grossen Teil mit meinem Verhalten zu tun. Manchmal sehen wir nicht alles, z.B. wie ein Konflikt anfängt. Jedes Kind hat von seinem Standpunkt aus recht. Es ist wichtig, dass ich als Erzieherin alle Kinder verstehe und anerkenne und ich auf diese Weise die Zusammenstöße begleite.“

Wir sahen eine Scene wo die Erzieherin im Krippen-Raum in einem mit Gitter abgetrennten Essbereich sitzt und ein Kind auf dem Schoss füttert. Dann kommen zwei Eltern mit ihren Kindern zur Tür herein. Unterbricht sie nun das Füttern? – Nein, sie setzt das Kind auf ihrem Schoss nicht weg, redet aber mit den Eltern und den neuangekommen Kindern, damit auch sie sich von ihr gesehen und willkommen fühlen. Obwohl der Junge im Schoss ihre Aufmerksamkeit teilen muss, bleibt er wichtig und wird nicht abgestellt. Das ist eine grosse Herausforderung für die Pflegerin, allen fast gleichzeitig Aufmerksamkeit zu schenken. Hier sind die jahrzehnte-langen Erfahrungen und klaren Regeln aus dem ehemaligen Pikler Heim so hilfreich, nämlich die Pflege nie zu unterbrechen, auch nicht aus den üblichen Höflichkeiten Erwachsenen gegenüber. Jeder versteht, weshalb sie das Kind im Schoss ohne Hast zu Ende füttert. Trotzdem überlegte sich das Pikler-Team, wie sie solche Situationen verbessern könnten: Nach dieser Erfahrung wurde der Gruppenraum ein wenig geändert. Der Essbereich ist jetzt näher bei der Tür, damit die kommende Kinder und Eltern leichter zu begrüssen sind, wenn sie am Morgen herein kommen.

Auch das hat eine lange Tradition im Lóczy, dass stets von neuem darüber nachgedacht wird, wie alles so organisiert werden kann, dass es für alle Beteiligten in der Krippe möglichst am angenehmsten ist.

Nach dem Vortrag von Jutka Kelemen trafen sich die TeilnehmerInnen in acht

 

 

Arbeitsgruppen zum Austausch und gemeinsamen Nachdenken über die Inhalte der Vorträge.

Geleitet wurden diese deutsch-ungarisch sprachigen Gruppen von den Pikler®Dozenten des Pikler®Verband Europas (Deutschland, Österreich, Niederlanden und der Schweiz) und den Pädagogen der Ungarischen Pikler Krippe, begleitet von kompetenten Dolmetscher.

Es gab sehr lebendige Diskussionen und Austausch.

Mit einem herrlichen Büffet wurden diese Gespräche bei einem Informellen Zusammensein fortgesetzt.

Zweiter Tag, 8. November 2014

Um 9 Uhr war der Vortrags-Saal wieder ganz voll mit mehrheitlich Frauen. Alle mit Kopfhörer für die simultanen Übersetzungen Deutsch – Ungarisch – Deutsch.

Nach einer kurzen Begrüssung von Anna Tardos konnte der nächste Vortrag anfangen.

 

 

Momente vor dem Essen

von Paulette Jaquet, Sie war viele Jahre Leiterin der Krippe ‘La Petite Maisonnée’ in Genf, Schweiz, ist Mitglied der französischsprachige Arbeitsgruppe Pikler-Krippen und Vorstands-Mitglied der Internationale Pikler Stiftung.

Paulette Jaquet zeigte uns den ersten Teil ihrer Untersuchung was Krippen-Kinder in die Zeit vor dem Essen tun. Ob sie ‘nur’ warten, oder doch noch im Spiel kommen.

Nachfolgend einige Fragen die sie sich gestellt hat.

Wie kann man die Mahlzeit zu einem wirklich besonderen Augenblick in der Gemeinschaft der Kleinkinder machen? Und schaffen wir es, die individuellen Bedürfnisse der Kinder in einer Gruppe bestmöglich zu beantworten.

Ihr Team bewältige erst einen langen Prozess, bis alle verstanden haben, wie sinnvoll es ist, kleine Kinder nicht in Gruppen essen zu lassen sondern einzeln auf dem Schoss oder im Essbänkchen und dass eine klare, gleichbleibende Reihenfolge wann das Kind drankommt sehr wichtig ist. Paulette Jaquet sagte dazu:

Um sich der Bedeutung der gleichbleibenden Abfolge bewusst zu werden, war es notwendig, vorher folgendes zu erreichen:

•   eine gute Organisation (nicht nur für die großen Abläufe des Tages, sondern auch für alle kleinen Abläufe rund um die Pflege)                                                                              

•   eine Praxis, die sich an Lóczy orientiert

•   die Erfahrung, dass Bezugspunkte für Kinder von großer Bedeutung sind und wie sich das auf ihr Verhalten auswirkt

In einigen Filmszenen erlebten wir mit, wie hilfreich klare Botschaften für junge Kinder sind, die darauf warten, ihr Essen zu bekommen. Wann bekomme ich meine Zeit mit der Pflegerin. Wer kommt vor mir dran? Wer nachher? Wann bin ich an der Reihe. Ist es dem Kind klar, kann es weiterspielen, muss es nicht ständig in der Warteposition bleiben und dabei unzufrieden werden.

 Kurzlich aktualisiert

 

Wie beeinflusst die Pädagogik Emmi Piklers unsere therapeutischen Haltung?

Ein Vortrag von Monika Aly und Anja Werner, Physiotherapeutinnen und Mitglieder der Pikler Gesellschaft in Berlin

Sie möchten Eltern dem Therapie-Wahn, der in Deutschland und auch in andern Ländern immer grösser um sich greift, bewahren. Heutzutage steht die Pathologie im Vordergrund; also nur noch was das Kind nicht kann, wird gesehen.

Monika und Anja gehen in ihre Arbeit von dem aktuellen Entwicklungsstand des Kindes aus und holen es da ab. Die Kinder in ihre Praxis werden nicht gedrängt, nicht überfordert aber auch nicht unterfordert. Es soll den Kindern in die Therapie gut gehen. Selbständigkeit und Selbstwertgefühl sind wichtige Bestandteilen für die Entwicklung.

Wenn Eltern miterleben, dass es ihrem Kind während der Therapie gut geht, und es dabei auch noch Fortschritte macht, dann können sie oft von ihrer Eile, dass das Kind grosse Fortschritte machen soll, absehen. Dank den kleinen aber wertvollen Schritten ihrer Kinder, vertrauen sie der Art und Weise wie Monika und Anja arbeiten. Monika Aly ist die Begleitung der Eltern ein grosses Anliegen. Dafür nimmt sie sich viel Zeit. Denn Eltern die nicht ein gesundes, also ihr „erträumtes“ Kind bekommen haben, sind oft sehr in Trauer und brauchen besonders viel Unterstützung in der Verarbeitung dieses Prozesses.

Anja Werner zeigte uns einen Film aus ihre Praxis mit ein Mädchen, 2 Jahre alt: Das Mädchen wagt kleine Schritte, sich an Gegenständen festhaltend entlang. Statt das freie Gehen zu trainieren, konzentrierte Anja sich auf die Sicherheit des Mädchen; wie bewegt sie sich jetzt? Sie lässt das Mädchen in einer vorbereite Umgebung mit Spiel- und Klettergeräten selbständig ausprobieren. Mit Freude, in Ruhe, ohne Ablenkung bewegt sich das Kind und wird dadurch immer sicherer in ihren Bewegungen.

 

 

Das Schöpferische im Spiel

Kinga György (Ph Studentin, Eötvös Universität, Ungarn)

Dieser Vortrag war vielleicht ein unerwartetes Thema in einem Pikler Forum. Es war interessant zu erfahren von welch ähnlicher Haltung sie ausgeht.

Beim Malen, Zeichnen, Schöpferischer Umgang mit Ton, Sand, Papier, Wasser, Teig, usw. geht es um das Erleben von Aktivität. Der Prozess ist wichtiger als das Ergebnis.

Sie sagte: Kinder machen nie Fehler.

Die Haltung der begleitende Erwachsene ist massgebend, damit das Kind schöpferisch tätig sein kann. Mit Freude, freiwillig, ohne negatives Feedback, vergleichen oder Wettbewerb.

Kinga zeigte verschiedene Foto’s von verschieden Aktivitäten mit einer Vielzahl von Materialien und Möglichkeiten drinnen wie draussen.

Von den Erwachsenen ist selbst eine grosse Kreativität gefragt, Kindern mit einer offenen und beobachtenden Haltung zu begleiten.

 

 

Was bedeutet unsere Krippe für die Eltern?

Zsuzsa Libertiny, Pädagogin in der Pikler Krippe, Budapest

Für Eltern ist es manchmal nicht leicht, ihr Kind einer Krippe zu übergeben.

Oftmals ist es die erste Trennung und Übergabe der Verantwortung über das eigene Kind an fremde Erwachsene.

Die Krippe kann aber auch eine andere Bedeutung haben als ‘nur’ die Betreuung von das Baby oder Kleinkind.

Wenn Eltern Vertrauen gefasst haben, kann das Bild, welches was Eltern von ihrem Kind haben, von den Mitarbeiterinnen der Krippe sehr bereichern. Eltern erleben ihre Kinder in einer neuen Situation. Und Eltern sind an der Meinung, die anderen Menschen über ihr Kind haben, sehr interessiert.

Die Erzieherinnen sollten sich stets, über die Gefahr bewusst sein, dass Eltern sie als   Konkurrenz empfinden könnten. Eltern sind die wichtigsten Personen im Leben des Kindes

Deshalb pflegen die Erzieherinnen mehrmals am Tag mit dem Kind über seine Eltern zu sprechen. Damit schaffen sie eine klare Brücke zwischen Krippe und Zuhause.

Zsuzsa zeigte uns einige Filme. Zum Beispiel eine Wickelszene während der Eingewöhnung. Das Kind liess sich nicht wirklich auf die Pflegehandlung der Erzieherin ein und verweigerte sich. Für die Erzieherin kommt es nicht in Frage das Kind zu überreden oder zu überlisten. Die emotionale Sicherheit des Kindes ist das wichtigste im Aufbau der neuen Beziehung. Deshalb holte sie die Mutter und bat sie, die Pflege abzuschliessen. Eine weitere berührende Filmszene war, als die Pflegerin am Ende des KrippenTages dem Vater bildhaft erzählte, wie sein Sohn diesen Nachmittag mit zwei Gegenständen das Cellospiel seines Vaters spielerisch nachgeahmt hatte. Der Vater strahlte, wusste, dass sein Sohn ihn nicht vergass, während er in der Krippe ist.

 

 

Einblick in meine Erfahrungen mit der Begleitung von Pädagoginnen in der Krippe

Christine Rainer, Pikler®Dozentin und Mitglied der Pikler-Hengstenberg Gesellschaft Österreich.

Christine redet über die hohen Erwartungen an die Krippen Erzieherinnen und die grosse Verantwortung die sie tragen in die Begleitung von Kleinkinder in der Krippe.

Sie setzte sich mit der Frage auseinander; wie können wir die Freude an die Arbeit mit Kindern erhalten.

Wie Kindern, brauchen es auch die Erzieherinnen, dass sie sich angenommen fühlen, dass sie Interesse bekommen und für ihre Leistungen geschätzt werden.

Christine begleitet regelmässig, seit mehreren Jahren Erzieherinnen in Krippen. Sie macht immer wieder die Erfahrung, wie wichtig es ist, dass die Erzieherinnen Zeit und Unterstützung bekommen gemeinsam nachdenken zu können zum Beispiel über den Tagesablauf, einzelne Kinder und auch über die eigene fachlichen sowohl persönliche Entwicklung.

Für diese anspruchsvolle und wertvolle Arbeit sollte es ein Grundrecht für Erzieherinnen geben, dass sie selbst auch eine gute Begleitung bekommen.

 

Ende

Und dann war dieses erste Deutsch-Ungarische Forum zu Ende.

Anna Tardos bedankt sie herzlich für die zahlreiche, interessierte Teilnahme am Forum und bittet alle Mitwirkende auf die Bühne. Als Dank überreichte sie allen ein kleines Präsent, ein T-Shirt, bedruckt mit der Pikler Krippe.

Christine Ackermann

Hedie Meyling

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